Verhasste Stieftochter Realität.

April 20, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Seit ich den Traum für mich entdeckt hatte, war die Realität nur noch eines: die Hölle. Angekettet an physikalische Kräfte war ich ein Sklave und Untergebener von Gefühlen, Bedürfnissen und dem Leben. Der Laufbursche für meinen Chef und selbst für die Mitarbeiter, die nicht einmal meinen Vornamen kannten. Ich war Holden Caulfield in einer Zukunft, die nur aus Maschinen bestand. Drei Tage, ausgedehnt auf die sechsundzwanzig Jahre, die ich existierte. Ohne ein Ende, das dem Leser ein Lächeln auf die Lippen zaubern würde. Einfach: Der ewige Fremdkörper des Lebens.

Kopfschmerzen hämmerten in meinem Schädel, wie kleine Kreaturen, die die Knochen mit Hammer und Meißel zerschlagen wollten, um ihre Freiheit zu bekommen. Ihr stiller, kleine Ausbruch vor dem Chaos meiner Gedanken, die ihre Fluchtgedanken immer weiter anheizte. Es fiel mir schwer, mich auf die Umgebung zu konzentrieren, ohne sie dabei zu hassen. Irgendwann entschied ich mich, eine alte Frau in einem Pelzmantel zu fixieren. Das Kleidungsstück schien mehr zu wiegen, als ihr gesamter Körper und trotzdem stand sie aufrecht und zwang sich zu einem Blick, der Stolz in ihrem eingefallenen Gesicht ausdrücken sollte. Die Lippen zittrig und zu einem geraden Strich verformt, die grauen Haare in einem Dutt zurechtgewiesen, von denen sich nur einzelne, rebellische Strähnen gelöst hatten und sich an den Kragen des Mantels schmiegten.
Fuchsfell. Eine ganze Familie von kleinen Füchsen ausgelöscht. Ob die Alte die Hauptdarsteller aus dem Thalerwald auf dem Gewissen hatte?
Sie drehte sich um, als hätte ich ihr meine Gedanken an den Kopf geschmissen und sezierte mich mit ihren grauen Augen. Abscheu lag wie ein Schleier auf ihren Iriden, während sie mich betrachtete und ihr Blick meinen Körper hinabglitt. Exakt zu der Stelle, wo sich meine rechte Hand befand und eine braune Bierflasche umfasst hielt. Die Thalerwald-Mörderin stieß ein verächtliches Schnauben gegenüber dem Gelegenheits-Alkoholiker aus, um sich schließlich durch die Schiebetüren der haltenden Straßenbahn zu schieben. Der Schwarze Peter gehörte nun wohl mir – danke!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Verhasste Stieftochter Realität. auf The Tidal Waves.

Meta

%d Bloggern gefällt das: