Wut

Mai 20, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein bestialischer Schrei erfüllt die Luft, berührt zischend die dunklen Wolken über uns, so nah und doch so fern. Er fordert Vergeltung, Rache. Dein Körper zuckt, beugt sich vornüber und fällt dann wieder zurück. Deine Blicke verlieren sich hilflos über den Baumspitzen, irgendwo am Firmament und meine Finger graben sich tiefer in dein taubes Fleisch, packen gnadenlos zu. Ich spüre wie mein Herz pocht, rasend schnell unter meiner Brust und wie es nach mehr schreit. Sein Hunger ist noch lange nicht gestillt. Meine langen Fingernägel bohren sich unerbittlich ihren Weg zu deinem Herzen, dieser lächerlich kleinen Blutpumpe die dennoch von so großer Wichtigkeit sein soll. Ich will sehen was passiert wenn ich es zwinge still zu stehen; ob ich es zwingen kann. Ich will dass dein ganzer Körper voller Blut ist, dass du ertrinkst in dem was dir Leben schenken soll und dass du weißt dass ich es bin. Dass ich hier neben dir hocke, auf der feuchten Erde. Die Luft ist wie elektrisiert und in der Ferne donnert es, mein Herzschlag scheint sich noch weiter zu beschleunigen. Da endlich kriege ich es zwischen meine verlangenden Finger und drücke mit aller Kraft zu. Sofort überschlägt sich dein Atem, du hustest, spuckst Blut und krümmst dich abermals. Aber du kannst mich nicht aufhalten, meine Gier ist noch nicht gestillt. Auch meine linke Hand durchstöbert nun deinen Körper, die leere fleischige Hülle die von dir übrig geblieben ist und die letzten Funken deiner Seele in sich trägt. Ich merke erst, dass dein Herz kaum noch schlägt, dass dein Körper jeden Widerstand aufgegeben hat, als es schon zu spät ist um dich zurück zu holen und mit dieser Erkenntnis kriecht langsam eine innere Ruhe durch meinen Körper, sie breitet sich aus und setzt sich fest. Diese Befriedigung habe ich gebraucht; mein Leiden ist beendet, endlich; heute trage ich es zu Grabe. Dein Blick jedoch senkt sich von den Sternen zu meinem Gesicht herab und erkennt mich, wie ich mit blutverschmierten Händen da sitze und lächle, voller Glück. Da ist noch etwas, ein letzter Funken und ich begehe den entscheidenden Fehler. Du hälst meine Augen mit deinen fest, nur für eine Sekunde, und all die Liebe steigt wieder in mir hoch, all die verletzte, unerwiederte Liebe aus meinem verschmähten Herzen. Es pulsiert nun in einem anderen Takt, mein Gesicht fühlt sich warm an und meine Augen werden schwer, Tränen dringen an die Oberfläche, lassen sich nicht unterdrücken, ziehen ihre Spur durch mein Gesicht und springen am Ende von der Klippe meines Kinns. Wie auch immer du es schaffst meine Hand zu ertasten, die Kälte deines Todes durchdringt mich durch sie und lässt mein Herz erfrieren. Ich schlucke und schreie abermals. Verzweifelt.

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