Flashbacks

Juni 6, 2011 § Ein Kommentar

Meine Beine sind schwer, alles dreht sich, ich denke nicht, dass ich noch aufstehen kann.
„Weißt du, ich hasse dich w-w-w-wirklich“, grinse ich und mein Oberkörper kippt, meine Hand auf deinem Knie und alle lachen. Ich weiß, ich hab zu viel getrunken, ihr Lachen zehrt an meinem Grinsen und an meinem Aufrechtsein. Gedanken. Es tut weh, als du meine Hand fort schiebst und „Ja ja“ lachst. „Nächstes Mal nicht so viel trinken.“

Schwärze.

„Hey, tanz mit mir.“ Ich grabsche nach deiner Hand, spüre dein Kinn so nah an meiner Stirn, du umfängst mich, hältst mich und lachst, wir wirbeln umher, ein kleines bisschen. Für mich ist es Tanz, doch wahrscheinlich sieht es eher aus wie betrunkenes Rumwackeln. Jetzt vermischt sich unser Lachen, meine Lippen streifen dein Gesicht – ausversehen – und ich denke nicht, ich hauche einen Kuss auf deine Wange, so weit wie ich nach so vielen Vodka noch hauchen kann.
„Nein, nicht“, wisperst du, raunst, leise, dass ich dich kaum höre. „Ich hab doch jetzt N.“
„Ja, ich weiß.“

Schwärze.

Im Kino ist es dunkel, schlechte Witze auf der Leinwand und ich spüre deine Hand auf der Lehne, mein Ellenbogen berührt kurz deinen.
„Ups“, flüsterst du und ziehst ihn fort, als hättest du dich verbrannt. Ich weiß, hier sieht mich sowieso niemand, es ist egal, ob ich weine oder nicht.

Schwärze.

„Er hat mich fett genannt“, weine ich in das Telefon und höre dich schweigen. „Bring mich nach Hause.“
„Warte auf mich, ich bin gleich draußen.“

Schwärze.

„Es wirkte so, als wärst du in mich verliebt“, grinst er und ich spüre seine Nervosität, höre sie in seiner Stimme, mein Herz sinkt.
„Ach“, will ich einwerfen, doch er unterbricht mich wieder.
„Ich wollte bloß sagen, dass es bei mir nicht so ist, also, dass ich das anders sehe. Freunde meine ich, richtig?“
„Ja, nein, ich … mach dir keinen Kopf.“ Ich drehe mich fort und wieder einmal ist es so dunkel. Steig in den Wagen, fahr weg, lass mich allein.

Schwärze.

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§ Eine Antwort auf Flashbacks

  • Florian sagt:

    Es ist schwierig, weil man sich, trotz allen Versuchen so gut wie möglich zu sein, in einem der Abschnitte wiederfindet. Jeder kennt das Unglück, die Angst und die Trauer, die hervor gerufen wird durch verhalten, das uns verletzt, wobei es nicht immer verletzen soll.
    Du zeigst mir, wie man leiden kann, ohne es zu zeigen. Du bringst mich zum Nachdenken, denn nun Frage ich mich: Wen habe ich alles verletzt, weil ich blind war.

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