Feuer.

Juli 31, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir brennen einander nieder, wie Kinder, die das Feuer nicht fürchten und die Konsequenzen nicht ahnen, die von Faszination und Neugierde jeder Moral beraubt werden. Wir sehen einander zu, wie wir in Flammen aufgehen und Herzen sich im schwarzen Griff winden, ohne nach Einhalt zu rufen. Ohne zu bitten, die Seele zu verschonen, deren Blick uns auf den Grund des Verstands fesselt. Denn was wir einst liebten, mehr als unser eigenes Leben, ist längst zum Fremden geworden. Und Stimmen sprechen zu uns, deren Sprache wir verlernt haben und nicht mehr beherrschen; die Muttersprache wurde zur fremden Amme, deren Brust uns nicht länger nähren kann.
Zwischen Tränen und Schmerz, Qual und Pein im Nacken, frage ich mich selbst, wie es kam, dass mein Herz dich nicht wiedererkennen kann, warst du doch einst der König davon. Die schillernde Dominanz über jegliche Gedankengänge, jede pulsierende Faser meines Herzens. Ich machte dich zum Mittelpunkt eines kindlichen Lebens, verdrängte, dass eine andere Liebe mich aufrecht hielt; es war nicht die deine, die mich atmen ließ. Aber dein Name haftete wie Honig an meinen Lippen und ließ sich nicht einmal mit bitteren Tränen entfernen, als der Abschied zwischen uns trat, immer und immer wieder, ohne meine Liebe zu dir je zu schwächen. Das Fundament unter unseren Füßen war ein Fels in einer erschütterteren Welt und ich war mir deiner Hand immer gewiss, dicht bei der meinen.
Dann kam das Leben und die Zeit, schnitt unsere Fäden entzwei, verknotete sie, spann neue. Und ich schob Gott und die Welt dafür jegliche Schuld in die Schuhe, während ich innerlich von einem Schmerz heimgesucht wurde, den ich niemals zuvor vernommen hatte. An keiner Schwelle schien der Abschied je so grausam gewesen zu sein, wie an jenem Tag, als es endgültig schien.
Kein Wort kann das qualvolle Sterben eines Herzens benennen, wenn es erkennt, dass der einstige König es ist, der alles aus freien Stücken niederreißt. Was uns einst lieb war, verschwindet im Meer unbeachteter Tränen und wird Teil einer grauen Erinnerung, der wir nicht länger Herr sein wollen.
Ich schließe die Augen und versuche zu vergessen; selbst die Pein ignoriere ich mit jedem Atemzug, die meine linke Brust durchsticht und mir das Blut in Hals und Rachen pumpt. Ein bittersüßer Geschmack von Tod, der meine Sinne benebelt, mir aber nicht das Leben nimmt, dessen ich immer müder werde. Ich versuche zu vergessen, immerzu. Doch du bist es, der mir diese Genugtuung verwehrt und meinen Anblick mit Tränen beweint, die mir jedes Gefühl für dich rauben. Endgültig.
Wir brennen einander nieder, ohne das Ende zu ahnen. Und nur Ruinen bleiben.

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