Feuer.

Juli 31, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir brennen einander nieder, wie Kinder, die das Feuer nicht fürchten und die Konsequenzen nicht ahnen, die von Faszination und Neugierde jeder Moral beraubt werden. Wir sehen einander zu, wie wir in Flammen aufgehen und Herzen sich im schwarzen Griff winden, ohne nach Einhalt zu rufen. Ohne zu bitten, die Seele zu verschonen, deren Blick uns auf den Grund des Verstands fesselt. Denn was wir einst liebten, mehr als unser eigenes Leben, ist längst zum Fremden geworden. Und Stimmen sprechen zu uns, deren Sprache wir verlernt haben und nicht mehr beherrschen; die Muttersprache wurde zur fremden Amme, deren Brust uns nicht länger nähren kann.
Zwischen Tränen und Schmerz, Qual und Pein im Nacken, frage ich mich selbst, wie es kam, dass mein Herz dich nicht wiedererkennen kann, warst du doch einst der König davon. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

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Und dann.

Juli 18, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Als wüsstest du, was es heißt, zu lieben. Ewiglich zu lieben. Losgelöst von der Zeit, der wir die Macht rauben, eines Tages zu einem Pfahl zu werden, der uns entzweit.
Wir dachten wir wären Götter – ich dachte, ich wäre ein Gott. Fern von jeder Berührung, die mich in eine Realität werfen würde, der ich mit dem Tod entkommen war.
Einst ging ich nicht ins Licht, sondern wurde von der Dunkelheit verschlungen. Niemand wartete dort, niemand nahm mich in Empfang. Weder die Toten, noch die geistlichen Gebilde unserer Verzweiflung, die sich an der Religion laben. Sie alle waren ferner, als jemals zuvor. Und ich spürte nicht einmal Trauer deswegen. Ich spürte gar nichts.
Gefühle waren wie Gedanken, die sich nicht formen wollten und meinen Händen entglitten, wann immer ich danach griff. Alles verschwand in Finsternis. Alles wurde Finsternis. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Kälte

Juni 13, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

„Hilf mir.“
Du musst nicht sprechen, Gefühle nicht in Worte stecken, in denen sie jämmerlich eingehen; nein. Ich höre deine Stimme in mir. Immer. Dieses Flüstern, dein Flüstern, das sich mit jedem Herzschlag in mir ausbreitet. Du musst nicht sprechen, ich höre dich.

„Hilf mir.“ Verzweiflung klammert sich an deine Stimme, verleiht ihr das Zittern eines Kindes, das du längst nicht mehr bist. Du weißt es vielleicht nicht, aber ich würde alles für dich tun. Du bist der Grund, dass ich noch aufrecht stehe, während alles um mich, um uns herum zerbricht. In diesem Aschemeer habe ich nur dich. Du hast nur mich. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Mit gespreizten Beinen.

Mai 9, 2011 § 2 Kommentare

Manchmal ist das Rot auf meinen Lippen all das Blut, das ich auskotzen möchte und nicht kann. Denn die Galle schwappt über, bricht wie eine Welle in meinem Mund und schlägt gegen die eierfarbenen Zähne. Festungen, die nicht zu stürmen sind, nur von Fäusten, die wie Fremde von außen eindringen, ohne gefragt zu werden. Noch gewollt sind.

Sie sagte mir: »Bulimie ist wie Radfahren. Man verlernt es nie.« Dabei hatte sie dieses Lächeln auf den Lippen, wie eine Porzellanpuppe, deren Farbe langsam vom Gesicht abblättert und Risse aufweist. Wahrscheinlich war sie das, eine Puppe. Zerbrechlich und so klein, dass man ihr am Liebsten Kleider anziehen und sie mit sich herum tragen wollte. Obwohl sie fast zehn Jahre älter als ich war, hätte sie ohne weiteres meine kleine Schwester sein können. Oder mein Kind. Die Jahre dieser körperlichen Zerstörung hatten sie zu einem Kind gemacht, das sich nach Schutz sehnte und sich in den Schlaf weinte. Ich sehe all die Musiker, Tag für Tag, die wie ihre Großeltern wirken. Die Drogen und der Alkohol haben tiefe Gruben in ihr Gesicht gezaubert und all der Tabak verlieh ihnen die Farbe von kaffeeverblichenen Zähnen. Sie wandelten wie gelbe Zombies durch die Welt und gaben jeden Tag ihre Seele auf der Bühne auf. Andere Menschen verkaufen sie dem Teufel, leben schön, ehe sie dann sterben. Die Leute dort oben kriegen nichts zurück, außer Aufmerksamkeit im Stundenabo. Danach sieht sie niemand mehr an. Sie sind Helden für einen Abend. Leben von Moment zu Moment. Das echte Leben, von Anfang bis Ende, hat für sie längst keinen Geschmack mehr. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Mitternacht.

Mai 9, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Es ist nach zehn Uhr. In einem Eck des Raumes, direkt neben der Tür, flimmert ein kleiner Fernseher. Zwei Männer dominieren das Bild und trotz der heruntergedrehten Lautstärke höre ich ganz deutlich das falsche Gelächter, das irgendein IT-Praktikant in den Hintergrund der Serie eingefügt hat. Künstlicher Humor, der die Menschen manipulieren soll. Was? Du findest das nicht lustig? Aber hör doch: hier lachen alle! Es MUSS lustig sein! Am Ende grinsen die Zuschauer dann doch – auch wenn der Witz so schlecht war, wie der einer Dreijährigen, die das Sprechen lernt.
Michael lacht nicht. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Schweiß.

Mai 6, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Fleck auf der weißen Tischdecke. Dreck.
Sie drehte sich um und suchte mit fliegenden Augen den Raum ab, bis ihr Blick sich an dem kleinen, weißen Kasten unter dem Spülbecken verfing und zur Ruhe kam. Ein Wanken erschwerte ihr jeden Schritt, den sie benötigte, um die Distanz weniger Meter zu überbrücken. Und aus irgendeinem Grund kroch Schweiß aus ihren Poren und bedeckte die Stirn; glänzend im grellen Licht der Stehlampe. In einer mechanischen Bewegung, selbst verwundert über die Reaktion ihres Körpers, entfernte sie die flüssigen Perlen von ihrer Haut und jagte die Aufmerksamkeit zurück zu dem kleinen Schrank. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Verhasste Stieftochter Realität.

April 20, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Seit ich den Traum für mich entdeckt hatte, war die Realität nur noch eines: die Hölle. Angekettet an physikalische Kräfte war ich ein Sklave und Untergebener von Gefühlen, Bedürfnissen und dem Leben. Der Laufbursche für meinen Chef und selbst für die Mitarbeiter, die nicht einmal meinen Vornamen kannten. Ich war Holden Caulfield in einer Zukunft, die nur aus Maschinen bestand. Drei Tage, ausgedehnt auf die sechsundzwanzig Jahre, die ich existierte. Ohne ein Ende, das dem Leser ein Lächeln auf die Lippen zaubern würde. Einfach: Der ewige Fremdkörper des Lebens. « Den Rest dieses Eintrags lesen »